Das soziale Netz der Taiwanesen besteht nur aus Arbeitskollegen. Also waren die ganzen jüngeren Erzieher dort und wir haben nen gemütlichen, humorvollen Abend verbracht.
Es war einiges, dass mich beeindruckt/bewegt hat. Erst mal die Landschaft; Denn Yashi (ich kann mir nicht vorstellen, dass sie wirklich so heißt, denn wer nennt sein Kind schon "Zahnstein"? Aber so ähnlich klingt ihr Name. Kann mir das ja alles nicht merken, weil die Namen hier alle fast gleich klingen :D)
wohnt nicht in Kaohsiung City, sondern in einem Randgebiet Kaohsiungs. Kaohsiung ist halt eben nicht nur die Stadt, sondern auch die Region. Das Elternhaus liegt etwas abseits, sodass ich die Natur bewundern konnte. Allerdings war ich erst geschockt, da diese Region doch sehr von Armut gezeichnet ist. In Kaohsiung City bekommt man davon nicht allzu viel mit... Hier steht ein Hochhaus neben dem Anderen und nur in ganz kleinen Gassen sieht man kleine, ärmliche Häuser mit Wellblechdächern. Aber das ist wirklich noch gar nichts, im Vergleich zu dem Gebiet. Da bemerkt man dann auch einfach mal wieder, dass der Unterschied zwischen Großstadt und kleiner Stadt, bzw Dorf unbeschreiblich groß ist. Gerade in Kaohsiung City (bedeutende Hafenstadt, immer zunehmender Tourismus, World Games 2009,...) wurde in den letzten Jahren viel Geld reingesteckt, um zu rennovieren, Straßenschäden auszubessern, riesengroße Luxus-Shopping Malls zu bauen und sonst aller Hand zu verschönern. Als mir dann aber bewusst wurde, in was für Verhältnissen manch andere Familien in Randgebieten leben, habe ich mich plötzlich schlecht gefühlt. Wieso wird hier um die Ecke eine Shopping Mall rennoviert, wenn andere Menschen viel nötiger das Geld bräuchten, um zum Beispiel in der Küche fließend Wasser zu bekommen, ein neues Dach auszulegen oder aber die demolierten Scheiben auszutauschen!? Der Taifun hat hier wirklich sehr viel Schaden angerichtet, was ich bisher immer nur in den Nachrichten verfolgen konnte. Aber Samstag habe ich selber sehen können, was der Taifun und der damit verbundene Regen alles zertsört hat. Somit kann ich nun ahnen, was für eine Kraft hinter Wind und Regen stecken kann. Furchtbar...
Aber nun zum schöneren Teil des Abends...
Yashi's Familie ist super nett, hat uns alle herzlich willkommen geheißen, natürlich mit einem Schluck Schwarztee, und haben sich gefreut. Natürlich bin ich, als Weiße, direkt aufgefallen und die Mutter sprach dann angeregt über "de guo ren" und "baizhongren" (Deutsche und Weiße)...
Aber nun gut, an diese Gesprächsthemen habe ich mich bereits gewöhnt und ich kann mitterweile auch gut über den Begriff "Weiße" hinweghören (Den Rest verstehe ich ja eh nicht).
Also fingen wir an, den Grill fertig zu machen...
Und wieder einmal war ich einfach nur fasziniert von der Einfachheit. Man nehme etwas Sand, verteilt ihn auf dem Boden, darauf Holzkohle, drumherum werden 4 Backsteine gestellt und ein Rost draufgelegt.. Fertig ist der Grill! Das hatte ich zuvor noch nie gesehen und war somit völlig überrascht.
Bevor wir dann aber anfangen konnten das ganze Fleisch und Gemüse zu grillen, hat der älteste Bruder erst noch Räucherstäbchen angezündet und zu Buddha gebetet (am hauseigenen Altar). Dies ist eine Zeremnie, die gläubige Buddhisten vor dem Essen abhalten.
Und dann haben wir gegessen, gegessen und gegessen... Ich weiß echt nicht, wo die das alles hinstecken, aber anscheinend nicht auf die Hüften.. ;) Echt unfair...
Also haben wir den ganzen Abend gegessen und erzählt. Die Verständigung ist natürlich immer noch sehr beschwerlich, aber es geht. Mir werden immer wieder neue chinesische Wörter oder Ausdrücke beigebracht, die anscheinend sehr wichtig seien sollen.
Die Erzieher sind wirklich alle super nett und sehr gesellig. Wenn auch das hier alles komplett anders ist, als in Deutschland. Aber auch die taiwanesische Geselligkeit mag ich sehr... Hauptsache ich bin von Menschen umgeben ;)
Dann wurde ich auch direkt zu einer Hochzeit eingeladen. Im November heiratet die Erzieherin in der holy rosary church, direkt neben dem KiGa. Auch wenn es eine katholische Hochzeit ist, wird sie sicherlich ganz anders von statten gehen, als man es von Deutschland aus kennt. Somit freu ich mich schon und bin gespannt, was mich dort erwartet.
Heute hatte ich meine erste Chinesisch Stunde in der Sprachschule. Ich hatte mich ja für Gruppenunterricht angemeldet, unter anderem um endlich andere Ausländer kennenzulernen. Allerdings bin ich diese Woche die einzige in diesem Kurs. Aber ab nächster Woche sind wir dann schon mal zu 2. und dann kommt wohl noch irgendwer. Also sind wir dann insgesamt 3 Schüler.. Für den Lernprozess sicherlich nicht das schlechteste... Dennoch etwas wenige, wie ich finde. Schade.. 3 Stunden Chinesisch Kurs am Tag sind wirklich sehr sehr anstrengend, kann ich euch sagen. Auch wenn ich heute echt keine schweren Sachen gemacht habe, war ich danach trotzdem ganz schön fertig.
Dann wurde ich gefragt, ob es für mich nicht total anstrengend ist, dass der Unterricht auf Englisch abgehalten wird. Denn Englisch ist doch auch eine Fremdsprache für mich. Mit einer Fremdsprache eine Fremdsprache lernen!? Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Denn irgendwie bemerke ich schon gar nicht mehr, dass Englisch eine Fremdsprache ist. Alles läuft hier auf Englisch ab. Somit ist mir die englische Sprache schon mehr als vertraut und ich muss auch schon gar nicht mehr nachdenken, wenn ich was auf englisch sagen möchte. Das ist alles automatisch. Komisch... Auf jeden Fall habe ich damit kein Problem Chinesisch mit Englisch zu lernen...
Was mich allerdings etwas schockiert hat, ist die Angst vor H1N1 (Schweinegrippe). Seit heute wird bei jedem, der die Sprachschule (TLI) betritt, die Temperatur gemessen. Ich dachte wirklich ich hör nicht richtig und musste mich zusammenreißen nicht loszulachen. Und dann gings auch schon weiter. Wenn meine Chinesisch Lehrer mal husten mussten, wurde direkt gesagt: "Sorry, but don't be scared. It isn't H1N1" Diesen Satz habe ich dann heute ca 5 mal gehört, was mich dann einfach nur noch genervt hat.
Vorsichtsmaßnahmen hin oder her, aber man kann auch übertreiben! Genauso, wie in der Subway ein Schild hängt, wie man sich zu verhalten hat, wenn man erkältet ist. Und zwar, muss man einen Mundschutz tragen und 1 Meter Abstand zu anderen Leuten halten...
Uuupsss. Jetzt ist der Eintrag doch wesentlich länger geworden, als beabsichtigt. Ich hoffe mal, dass ihr aber trotzdem durchblickt und ihr es aushaltet ihn bis zum Ende zu lesen.. ;)
Liebe Grüße, eure Sarah
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